Gastkommentar von Bettina Sciurba-Behle von der GS Consult GmbH im Journal „(BR)idge“ des Betriebsrates der Deutschen Bank Lübeck

Die Rolle des Betriebsrates in Unternehmen

Seit inzwischen fünf Jahren begleite ich den Betriebsrat der Deutschen Bank Lübeck in jährlichen Klausurtagungen.

Gruppenfoto 2010_web.jpgSeit über zehn Jahren beraten wir ganz unterschiedliche Betriebsratsgremien verschiedenster Unternehmen. – Und immer wieder stellt sich die Frage nach der Rolle der Arbeitnehmervertretungen: Sollen Betriebsräte auftreten als Rambo oder lieber als Mutter Theresa? Ist Konfrontation oder Kooperation der richtige Weg? Blockieren oder gestalten?

Das Betriebsverfassungsgesetz weist in § 2 auf eine „vertrauensvolle“ Zusammenarbeit hin: „Arbeitgeber und Betriebsrat arbeiten (…) vertrauensvoll (…) zum Wohl der Arbeitnehmer und des Betriebs zusammen.“

Wie funktioniert vertrauensvolle Zusammenarbeit aber ganz konkret? Und was ist tatsächlich zum Wohl der Arbeitnehmer und des Betriebes? Wenn diese Fragen in der Praxis so einfach zu beantworten wären, dann gäbe es zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern keine Unstimmigkeiten, Misstöne, anwaltlich unterstützte Auseinandersetzungen, langwierige Mediationsverfahren oder Einigungsstellen und Gerichte.

Für die Arbeit jedes Betriebsrats ist es eine Herausforderung, sich immer wieder mit vertretbaren Zielen, dem eigenen Auftreten, der Art der Kommunikation und dem möglichen Handlungsspielraum auseinanderzusetzen: Wie soll reagiert oder aktiv agiert werden? – Jedes Gremium braucht bei der Sichtweise seiner Rolle ein gemeinsames Verständnis, das es zu entwickeln und regelmäßig zu überprüfen gilt. Übereinstimmung und dieselbe Zielrichtung sind nicht automatisch „per Funktion“ vorhanden.

Aus dieser Erkenntnis hat es sich der Betriebsrat Lübeck seit 2006 zur Tradition gemacht, ein Mal pro Jahr in Klausur zu gehen und sein Selbstverständnis und die eigene Arbeit auf den Prüfstand zu stellen: Was lief gut im vergangenen Jahr? Wo gibt es Handlungsbedarf?

Für mich als Externe, die diesen Prozess nun seit fünf Jahren begleitet, ist es vor allem die Entwicklung des Gremiums erstaunlich. Was anfangs noch ein handfestes Problem war, ist heute nicht mehr der Rede wert. Es hat sich gelohnt, an den internen und externen Kommunikationsprozessen zu arbeiten und ein stabiles Fundament für die Zusammenarbeit im Gremium zu bauen. Den Betriebsratsmitgliedern ist der Balanceakt bewusst, nicht nur die Interessen und das Wohl der Arbeitnehmer, sondern auch das des Betriebs mit im Auge zu haben. Alle Betriebsräte wissen, dass ihre Arbeit nicht nur an die eigene Einsatzbereitschaft hohe Anforderungen stellt, sondern auch von den Kolleginnen und Kollegen getragen werden muss.

Für den Betriebsrat Lübeck gibt es kein kategorisches Schwarz oder Weiß, sondern in erster Linie eine sehr pragmatische Arbeitsweise und den Wunsch, aus einer Vielzahl von Stimmen kein ohrenbetäubendes Gekreische, sondern einen Ohrwurm zu machen.

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